DECO Home Nr. 4/2002
maxima Juni 2002 |
Gegen den Wind schützt der Paravent. Das ist seine archaische Funktion: vor dem Zelteingang als geknickte Wand zu stehen. Im alten China kam der Sichtschirm auf die Bühne und schützte die Schauspieler beim Kleiderwechsel. In Frankreich schließlich stand der drei- oder fünfteilige Paravent vor dem freistehenden Bett im Raum und erhielt damit seine erotische Bestimmung: das Liebesleben vor fremden Augen zu schützen und die Vorfreude zu erhöhen. Die Dramen von Arthur Schnitzler sind ohne Paravent undenkbar, und Goethes erstes Lustspiel hat auch nicht darauf verzichten können. Schutz, Raumteiler, Erreger hoffnungsvoller Erwartungen: Das ist bis heute die Aufgabe von Paravents. Nach der Zeit kleiner Wohnungen sind große Räume wieder im Schwange und damit auch die Paravents, insbesondere MINEA Paravents. Doch sind diese Objekte nicht einfach Möbel, sondern präsentieren Ausstellungsflächen, und dies auch noch zweiseitig. Die Doppelseitigkeit ist jedoch nicht symmetrisch. Einer öffentlichen Ansicht steht die private gegenüber, funktional wie gestalterisch intimer, ruhiger, in sich gekehrt. Oft zeigt die Rückseite größere Flächen von Tafellack zum Beschreiben durch die Besitzer: Sie werden selbst zum Mitgestalter. minea-Paravents sind immer von der Schauseite her entworfen. Sie sind als klare Zwei-, Drei- oder Fünfteiler aus glatten Wandflächen konzipiert, ohne Rand und Rahmen. Die eigentlichen Ereignisse finden auf der Fläche selbst statt: textile und malerische Formgebungen, darauf Applikationen aller Art als Relief. Die Farbe ist Träger der Formen, die gestisch orientiert sind, an Schriftzüge gemahnen, sich in größeren Zusammenhängen auflösen. Die Farben selbst folgen dem klassischen Prinzip von Figur und Grund, zeigen sich gelegentlich als Bolus unter Gold oder Silber. Wie in Arbeiten alter Meister und handwerklicher Tradition gibt es nur selten einen glatten Farbauftrag, sondern meist hoch differenzierte Farbnuancen, die sich abwechselnd verdichten und auflösen. Jeder minea-Paravent ist neu, ist anders, ist eine Überraschung. Er zeigt sich als entworfenes Einzelstück, als Teil einer gestalteten Raumausstattung oder auf einer besonderen Bühne. Ein minea-Paravent zeichnet nicht nur die Künstlerin Constanze Reichmann aus, sondern wird auch seinen Besitzern und Benutzern viele Momente der Identifikation und Freude bieten. Rolf Sachsse, Bonn MINEA HAT SICH DER BESONDERHEIT DES PARAVENT ANGENOMMEN Er dient der Designerin Constanze Reichmann als Malgrund, der dazu noch die aparte Eigenschaft besitzt, sich freistehend im Raum präsentieren zu können. Bei der Paneel übergreifenden Gestaltung Ihrer Paravents verzichtet sie völlig auf Rahmen. So werden die einzelnen Paneele nicht zu einem Ensemble von Bildern, sondern zu einer homogenen Komposition, gewissermaßen ein freistehendes Tafelbild. Bei der Gestaltung folgt Sie nicht nur der asiatischen Tradition, sondern auch vielen Künstlern des 19ten und 20ten Jahrhunderts. Mit dem Coromandel Screen chinesischer Provenienz verbinden die Paravents von Constanze Reichmann das Material, Holz als Bildträger und komplizierte Verfahren des Lack- und Farbauftrags. Auf kongruentem Malgrund kreiert Sie Wandschirme mit aufwendigen Techniken, Farben, Pigmenten und kleinen reliefartigen Strukturen, deren unterschiedliche Seiten trotz grosser Kontraste immer ein einheitliches Ganzes bilden. Künstlerische Gestaltung und handwerkliche Qualität ergänzen sich zu bestechenden Unikaten, die in jeder Umgebung faszinierende Akzente setzen. Es sind Objekte für den Raum, die Constanze Reichmann gestaltet, welche nicht nur in multifunktionaler Innenarchitektur leicht zu integrieren sind, sondern auch im ausgefallenen Ambiente der “Wohn- Inszenierung" ihren Platz haben. Je nach Aufstellungsort ist der minea - Paravent dominanter Blickpunkt oder integrative Wand, dessen Reiz noch durch seine bewusste Plazierung gesteigert wird. Seine Variabilität, die immer neue Arrangements zuläßt, ist ein Mittel vielfältiger Dekoration. Schon in einem Zitat aus der HAN Zeit wird die Besonderheit des Paravent erwähnt: Georg Wagner
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